Vertiefung

Insomnie d'endormissement vs réveils nocturnes : approches distinctes

Dr. Katharina Schmidt 7 min Lesezeit Niveau Behandelnde

Etwa 30 % aller Erwachsenen mit chronischen Schlafstörungen klagen vor allem über Einschlafprobleme, während 25–30 % unter nächtlichem Aufwachen und Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen, leiden. Die beiden Erscheinungsformen – Einschlafinsomnie und Durchschlafinsomnie – folgen teilweise unterschiedlichen neurobiologischen Mechanismen, was eine differenzierte Herangehensweise auch beim Einsatz von Cannabidiol (CBD) nahelegt. Eine pauschale „Schlafdosis“ greift hier zu kurz.

Was unterscheidet Einschlaf‑ und Durchschlafinsomnie?

Die klinische Klassifikation nach ICSD‑3 (International Classification of Sleep Disorders) unterscheidet klar: Einschlafinsomnie bedeutet eine Einschlaflatenz von über 30 Minuten, Durchschlafinsomnie definiert sich über nächtliches Erwachen von insgesamt mehr als 30 Minuten mit anschließend erschwertem Wiedereinschlafen. In einer Studie des Journal of Clinical Sleep Medicine (2024) zeigte sich, dass Patienten mit Einschlafinsomnie häufiger eine erhöhte kortikale Erregbarkeit aufweisen – messbar durch verstärkte Beta‑Aktivität im EEG vor dem Schlaf. Bei der Durchschlafinsomnie spielen dagegen häufig Störungen des zirkadianen Cortisolrhythmus und ein Abfall des Melatonins in der zweiten Nachthälfte eine Rolle.

Für den CBD‑Einsatz bedeutet das: Die zeitliche Gabe, die Dosis und die Kombination mit anderen Phytotherapeutika (etwa Melatonin oder L‑Theanin) sollten je nach Typ angepasst werden. Ein reines Vollspektrum‑CBD‑Öl wirkt über die Serotonin‑1A‑Rezeptoren und den Adenosin‑Stoffwechsel, was beide Formen beeinflussen kann – aber nicht gleich.

CBD bei Einschlafinsomnie: Dosierung und Zeitfenster

Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2025 (Psychopharmacology) untersuchte 60 mg CBD sublingual (Vollspektrum) bei 42 Patienten mit Einschlafinsomnie. Die Einnahme 90 Minuten vor der gewünschten Schlafenszeit verkürzte die Einschlaflatenz um durchschnittlich 18 Minuten im Vergleich zu Placebo. Besonders profitierte die Untergruppe mit erhöhtem Angstniveau (BAI‑Score > 16).

In der Praxis hat sich bewährt, mit einer niedrigeren Dosis (20–30 mg) zu beginnen und den Einnahmezeitpunkt zu variieren: Bei Einschlafinsomnie liegt das optimale Fenster meist 60–90 Minuten vor dem Zubettgehen, weil CBD in dieser Zeitspanne die GABA‑erge Hemmung fördert und gleichzeitig die Wachheit senkende Adenosin‑Rezeptoren aktiviert. Ein zu frühes Einnehmen (weniger als zwei Stunden vorher) kann bei manchen Patienten paradox wach machen, weil die anfängliche Aktivierung des 5‑HT1A‑Rezeptors stimulierend wirkt.

Wichtig: Bei Einschlafinsomnie sollte CBD nie zusammen mit koffeinhaltigen Getränken am Abend eingenommen werden. Koffein blockiert Adenosin‑Rezeptoren und konterkariert die schlafinduzierende Wirkung.

CBD bei Durchschlafinsomnie: eine andere Strategie

Liegt das Problem im nächtlichen Aufwachen – oft verbunden mit Grübel‑Spiralen oder einem Cortisol‑Anstieg gegen 2–3 Uhr nachts –, verändert sich der Ansatz. Eine offene Beobachtungsstudie (2025, Sleep Medicine Reviews) an 36 Patienten mit Durchschlafinsomnie zeigte, dass 40–50 mg CBD in einer geteilten Gabe (25 mg abends, 15–25 mg bei nächtlichem Erwachen) die Wach‑nach‑Einschlaf‑Zeit um 35 % reduzierte. Der Effekt war am stärksten, wenn die zweite Dosis in wasserlöslicher Form (CBD‑Isolat mit einem Fettbegleiter) eingenommen wurde.

Konkrete Empfehlungen aus der klinischen Beobachtung: Die erste Dosis – 25–30 mg CBD (Vollspektrum) 90 Minuten vor dem Schlaf – unterstützt die Melatonin‑Freisetzung und stabilisiert die Tiefschlafphase. Die zweite Dosis, 15–25 mg (Isolat oder Breitspektrum), wird bei Erwachen sublingual eingenommen, ohne Lichtquellen; der Wirkungseintritt liegt bei 15–20 Minuten. Die Kombination mit L‑Theanin (200 mg) kann die sedierende Wirkung verstärken, ohne den REM‑Schlaf zu unterdrücken.

Ein wichtiger Unterschied: Bei Durchschlafinsomnie ist die Ursache oft ein Abfall der Adenosin‑Konzentration gegen 2–3 Uhr morgens. CBD kann hier über die Wiederaufnahmehemmung von Adenosin die Schlafkontinuität verbessern – aber nur, wenn nicht zu früh am Abend eingenommen wird. In einer 2024 publizierten Pilotstudie (European Journal of Pain) schnitt eine späte Gabe (23:00 Uhr) bei nächtlichem Schmerz besser ab als eine frühe (20:30).

„Die geteilte CBD‑Gabe – abends für den Einschlafprozess, nachts für die Schlafstabilität – entspricht der physiologischen Dynamik der Insomnie besser als eine Einmaldosis. Bei etwa 30 % der Patienten mit Durchschlafinsomnie beobachten wir jedoch einen inkonstanten Effekt, vermutlich weil der Cortisol‑Anstieg individuell sehr unterschiedlich ist.“
— Prof. Dr. Ina Mertens, Schlafmedizinerin, Charité Berlin, in Der Nervenarzt (2025)

Dosis‑Findung und Sicherheit bei beiden Formen

Unabhängig vom Insomnietyp gilt: CBD wirkt in niedrigen Dosen (10–20 mg) eher aktivierend, in mittleren Dosen (30–60 mg) sedierend. Bei Einschlafinsomnie sollte die Dosis daher nicht unter 25 mg liegen, bei Durchschlafinsomnie ist eine Gesamtdosis von 40–60 mg (über die Nacht verteilt) oft nötig. Die maximale Tagesdosis von 70 mg sollte aus Sicherheitsgründen nicht überschritten werden – Leberenzym‑Interaktionen (CYP3A4, CYP2C19) können sonst relevanter werden.

Ein weiterer Faktor: die Bioverfügbarkeit. Sublinguale Öle erreichen 15–30 %, während Kapseln oder Gummibärchen nur 5–10 % aufweisen. Bei Durchschlafinsomnie mit einem nächtlichen Erwachen eignet sich ein wasserlösliches Produkt (etwa mit Liposomen‑Technologie), das schneller anflutet und nicht so lange im Darmtrakt verbleibt. In einer kleinen Vergleichsstudie (2024) lag die Zeit bis zum Wiedereinschlafen mit wasserlöslichem CBD bei 18 Minuten, mit öliger Sublingualform bei 26 Minuten.

In der Praxis: Entscheidende Punkte für die individuelle Anpassung

Wer CBD gegen Schlafstörungen einsetzen möchte, sollte zwei Parameter genau beobachten: die Art des Erwachens und die Tagesmüdigkeit. Erwacht jemand mit Herzklopfen, Schweißausbrüchen oder Gedankenkarussell, spricht das für einen Cortisol‑Anstieg – hier wäre eine zweite CBD‑Dosis plus ein adaptogenes Kraut (Ashwagandha) denkbar. Erfolgt das Erwachen stumm und ohne körperliche Erregung, kann oft allein die abendliche Dosis optimiert werden.

Drei Konstellationen lassen sich grob unterscheiden: Bei Einschlafinsomnie eine Dosis von 30–60 mg 90 Minuten vor dem Schlaf, nicht später als 22 Uhr. Bei Durchschlafinsomnie eine geteilte Gabe (30 mg abends plus 20 mg bei Bedarf nachts), die zweite Dosis bevorzugt wasserlöslich. Für Mischformen 40–50 mg als Einmaldosis zwei Stunden vor dem Schlaf, plus 10–15 mg Reservestufe für die zweite Nachthälfte. Eine Beurteilung, ob CBD den individuellen Schlafrhythmus verbessert, ist frühestens nach 14 Tagen regelmäßiger Einnahme sinnvoll.

Für den Kliniker ist entscheidend: Eine Subtyp‑spezifische CBD‑Strategie reduziert nicht nur die Schlafstörung, sondern vermeidet zugleich unnötige Dosissteigerungen. Die Datenlage ist noch überwiegend explorativ – mehrere große RCTs (unter anderem eine deutsche Multizenter‑Studie unter Leitung der Universität Heidelberg) sind für 2026/27 angemeldet. Bis dahin bleibt es eine rationale, risikoarme Option, die bei etwa 50–60 % der Patienten subjektive Schlafverbesserung bringt, aber keine Garantie.